Gestalterische Entscheidungen medlay

Ich hatte heute ein interessantes Gespräch über eines der Themen, die mir immer wieder am Herzen liegen. Als Dozent und Coach für die digitale Mediengestaltung (und nicht nur die Fotografie), liegt es mir am Herzen die Begeisterung für alle gestalterischen Bereiche in meinen Unterricht mitzunehmen und zu hoffen, dass ein Teil dieser Begeisterung aufgenommen und weiter entwickelt wird. Das klappt manchmal und manchmal auch nicht.  Nun bin ich kein Begeisterungslehrer sondern im Bereich von Fotografie, Logoentwicklung, Satz und Layout sowie Bildbearbeitung tätig.

Ich habe nicht das Gefühl in diesen Bereichen ständig neue Maßstäbe setzen zu können, stattdessen ist die Vermittlung gestalterischer Fertigkeiten mein Hauptanliegen. Denn nicht jeder der was kann, ist auch in der Lage das, was er tut, gut und sinnvoll vermitteln zu können. Im Gespräch mit Miriam ging es um die verschlungenen Wege zu gestalterischen Entscheidungen und die Schwierigkeit diese, pädagogisch sinnvoll, mit Hilfe von Video, Blogeintrag, Social Media und Co. zu vermitteln.

Am Beispiel einer mikrotypografischen Bearbeitung eines Schriftzugs, live und in Farbe, lebendig und nicht vom Band, gelang es mir den Ansatz, die Wege, die Gedanken und Ideen zu vermitteln. Natürlich mit einer gehörigen Portion Enthusiasmus und Liebe zur Sache. Wie aber nun diesen (vielleicht auch kleinen) Exkurs in ein Paket packen? Es konzipieren, strukturieren und in Bild (und Ton) festhalten, zurechtschneiden und fachgerecht verpacken? Wenn möglich auch noch mit geringem Aufwand und überschaubarer Zeitschiene…

Ich muss zugeben, dass ich die schriftliche Form und das überschaubare Prinzip eines Blogeintrags sehr mag. Mir ist auch klar, dass auf diesem Wege nicht so viele Menschen erreicht werden können wie es derzeit mit einem Youtube- oder Facebookvideo der Fall sein würde. Da es in der Gestaltung wichtig ist, seine persönliche Art und Sichtweise in den kreativen Prozess einfließen zu lassen, werde ich es erst einmal bei diesem Weg belassen. Und damit es auch einen Mehrwert für die vielen Zeilen Text gibt, die vielleicht nicht jede/r lesen kann oder mag, schließe ich diesen Post mit einem Beispiel einer gestalterischen Entscheidung in bebilderter Kurzform. Wer weiß, vielleicht mache ich ja irgendwann einen Comic daraus.

Viel Spaß damit und schönen Gruß

Jörg

Ein Bild und jetzt?

Bildentscheidungen medlay

Model: Lea Landskron

Was genau ist es eigentlich, dass manche Fotografen und Bildbearbeiter befähigt so schnell und zielsicher umsetzen zu können was sie wollen? Und was genau unterscheidet den Vollprofi vom unsicheren Anfänger? Meiner Meinung nach ist das geschulte Sehen der wichtigste Teil des kreativen Prozesses. Wer nicht richtig sehen kann, wird auch kaum in der Lage sein zu analysieren, zu vergleichen zu entwickeln und letztendlich zu gestalten. Die Frage die sich stellt ist also folgende:

Was sieht der Fotograf (oder die Fotografin) im linken Roh-Bild, was ihn dazu bewegt eine Entwicklung wie im rechten Nachher-Bild vorzunehmen?

Eine Analyse könnte helfen:

  1. Das Original ist unterbelichtet, dunkle Bildteile „saufen ab“ und zeigen keine Details mehr
  2. Die Farben sehen schwach und farbstichig aus, eine klare Farbsprache in Form eines Stils oder Farblooks fehlen
  3. Dem Bild fehlen Lichter, also helle Stellen, die brillanter wirken würden
  4. Die Struktur der unterschiedlichen Materialitäten ist nicht gut erkennbar

Man kann nahezu jedes Bild nach diesen Gesichtspunkten analysieren: Belichtung, Farbe, Struktur. Welche Schlüsse man daraus zieht kann (und darf) allerdings individuell sein. In den meisten Fällen werden wir Struktur und Unterschiede in den Oberflächen erkennen wollen. Fast immer werden wir erkennbare Details vorziehen. Ein Bild welches so bewertet und korrigiert wird, sollte dann zumindest besser sein als seine verwaschene Aufnahme. Und ja, all das sollte nicht davon abhalten die Aufnahme mit der passenden Fürsorge zu planen und zu belichten. Manchmal hat das aber eben nicht perfekt funktioniert, in solchen Fällen darf (und sollte) der kreative Mensch mit Plan, Sinn, Verstand und viel Gefühl in den gestalterischen Prozess eingreifen.

Beim nächsten Mal schreibe ich vielleicht noch etwas über Aufbau, Komposition und Grundregeln der Gestaltung. Mal sehen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.